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Erstlingswerk «abrasso»

 

Eine tief greifende Umarmung

Weniger ist mehr. Das hat sich am Freitagabend im Kulturzentrum Guss einmal mehr bewahrheitet. Eindrücklich zeigte die Theatercompany Perron 2, wie mit minimalen Mitteln Grosses erschafft werden kann.

Bülach. - Dunkel ist es, stockdunkel. Dann plötzlich sind Schritte zu vernehmen, gefolgt von Hämmern und Klopfen. Das Licht geht an und auf der Bühne steht – nicht viel: Ein weisser Türrahmen und zwei junge Herren im Anzug. Der eine hämmert unbeirrt weiter, der andere blinzelt verdattert ins Publikum. Überrumpelt wirkt er, rührend hilflos, ja nicht einmal die Krawatte kann er selbstständig binden.
Dies die Eröffnungsszene von «Abrasso», dem Erstling der Theater Company Perron 2. Die beiden freischaffenden Schauspieler Athiv Chanlen und Manuel Rytz zeigen in Zusammenarbeit mit Regisseur Pierre Byland Erstaunliches. Seit der Uraufführung im Teatro Dimitri – diese liegt mittlerweile über zwei Jahre zurück – tingelt das Duo durch die Schweiz. Und begeistert mit ganz eigener Theaterkunst. Hier wird Mut bewiesen, indem radikal reduziert wird. Das Bühnenbild ist karg, die Requisiten auf ein Minimum beschränkt. Erst dadurch gewinnen die Gegenstände, namentlich eine Tür samt Rahmen, ein Cello, zwei Pflanzenstöcke und ein roter Teppich, enorm an Bedeutung. Daneben lebt das Stück von den Schauspielern, deren Mimik beeindruckt, die perfekt aufeinander eingespielte Choreographie verblüfft und die musikalischen Einschübe erfreuen.

Überhaupt, die Musik: Grandios, mit wie viel Ideenreichtum ein Maximum an Rhythmik und Variation geschaffen wird. Wunderschön - obwohl leider nur fragmentarisch - ist der Titelsong «Abrasso», was Umarmung bedeutet. Dieses Kinderlied, welches eine Kollegin von Rytz in Brasilien kennen lernte, ist Fundament der Handlung. «Bei den Proben», so Rytz nach der Vorstellung, «ging es zunächst eine Woche lang darum, Gründe und Variationen einer Umarmung zu finden.» Man müsse sich den Prozess der Entstehung ihres Theaters wie einen Baum vorstellen, erläutert der dreifache Vater weiter. Die Umarmung diene als Stamm, davon ausgehend hätten sie nach und nach eine bestimmte Richtung eingeschlagen. Dieser Ast sei dann bis zu den Blättern, also der Feinarbeit, weiterverfolgt worden.

Zeit zum Durchatmen
Die Feinarbeit hat sich gelohnt: Das Spiel mit dem Publikum funktioniert hervorragend, der berühmte Funke springt und lodert bis zum Schluss. So sind denn auch die Rückmeldungen der Zuschauer positiv. Gelobt werden die stets anhaltende Spannung, die musikalischen Einlagen und die überraschende Komik.
In der Tat reiht sich 90 Minuten lang Gag an Gag, trotzdem wirkt das Spiel nie reisserisch und überzeugt auch ohne Klamauk. Stets dominiert leiser absurder Humor, der sich in einer kreativen und zugleich poetischen Einfachheit äussert. Die Langsamkeit, ja, die hingegen fordert - und bewegt sich zum Beispiel beim Schnecken-Wettrennen gefährlich nahe an der Grenze des Aushaltbaren. Gut tut sie dennoch, diese Ruhe, diese Verschnaufpause in unserer sich immer schneller drehenden Welt.

Tages-Anzeiger, 21. April 2008, Anna Kappeler

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