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Erstlingswerk "abrasso"

 

Burgdorf; Company Perron 2 zu Gast im Zirkus Wunderplunder
An zwei Abenden gastierte die Company Perron 2 im Zirkus Wunderplunder mit ihrem Erstlingswerk
« Abrasso»: poetisch-komisch und irreführend im Begriff Pantomime, erzählend in Körper und Sprache.
Ein Türrahmen erscheint auf der leeren Bühne. Im Rahmen steht ein Mann, wie ein Bild aus vergangener
Zeit. Und doch geschieht alles hier und jetzt. Die Türe wird zum vorläufigen Mittelpunkt des Geschehens.
Und ein Cello, ein Küchentuch, eine Krawatte, die gebunden werden soll. Zuschauerin Kathrin hilft,
lässt sich unwillkürlich ins Geschehen einbinden, als Aussage für «den Ärmel hineingenommen».
So wird Alltägliches zum Besonderen - wenigstens für den Moment. Handbewegungen mutieren zu
«Rhythmusmelodien», Gehilfe «Popol» zum Clown, Ahtiv Chanlen und Manuel Rytz inszenieren mit
« Abrasso» eine Umarmung. Die beiden spielen: teils improvisiert, witzig, provokativ, skurril, in der
Darbietung mimischer Kabarettszenen. Sie fokussieren sich auf Details - «Popol, Hand abe» - in steten
Wiederholungen, was die Vertrautheit mit dem Publikum erzeugte und betonte.

Cello hat Frauenkörper-Form
Weshalb ein Cello die Form eines Frauenkörpers hat, in welchen Variationen es «gehandhabt» und gespielt
werden kann, die Doppelnutzung desselben als Picknick-Kiste, als Djembe oder Hutständer überraschen das
wegen der Kälte in Decken gehüllte Publikum.
Berührend, sentimental und immer passend stimmen die beiden
Komödianten die spanische Sehnsuchtsmelodie « Abrasso» an, umarmen sich und demonstrieren in Mimik,
Gestik und choreografischen Einlagen Einigkeit im Missverständnis. Mit wenigen Utensilien unterstreichen
sie «ihr Gewicht», verblüffen mit akustischem und optischem Klamauk auf hohem Niveau.
Die Bühnensprache war ein babylonischer Englisch-Schweizer Verbalmix, was einige bedauerten. Andererseits
bedurfte es in der Pointenerfassung keiner Übersetzung, denn diese waren «gefühlsdurchlässig»
und schnell herausspürbar.
«Es muss wohl Englisch sein, damit es europatauglich ist», vermutete ein Zuschauer. Die Aufwartung
hätte grösser sein dürfen - gemessen am ulkigen Hochgenuss, der geboten wurde. Es waren «nur»
120 paarweise Anwesende (Arme und Beine gezählt). Dabei hätte die mit perfekter Komik gebotene tolle
Unterhaltung zweifelsohne ein volles Zelt verdient. Das war jedoch im Zirkus Wunderplunder nicht der
Fall - schade. Finale Der Wechsel von Clown zu Frosch und Schnecke vollzog sich nahtlos, unterbrochen von
den gesungenen Umarmungen. Schlicht, schnörkellos garantierten die Künstler Heiterkeit nach ihrer und der
Idee des Autors Pierre Byland. Banalste Verhaltensweisen schienen plötzlich absurd und grotesk, eine
liebenswerte Dimension der Komik. Beinahe feierlich stimmten sie musikalisch das Ende der Vorstellung
an und genossen das im Publikum aufkommende Bedauern darüber. Der «Popol» mit der Hand oben und
der virtuose Cello-Bearbeiter schlichen sich auf der Welle der Sympathie in die Herzen der Zuschauer, so wie
die Kälte unter die Wolldecken. «Aber es ischs derwärt gsi», war der Tenor des begeisterten Publikums, das
den Mix aus Komödie, Tragödie, Spott und Spass genossen hat.

Sylvia Mosimann , Langenthaler Tagblatt, 03. Mai 2006

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